Ratgeber von (vs)spanien.com
 
Rubrik: Recht_Steuern Unterrubrik: Steuern
 
Steuerreform
Die geplante spanische Steuerreform 2007
von Dr. Michael Voigt
 
Die spanische Regierung plant die Umsetzung einer „großen Steuerreform“ zum 1. Januar 2007. Die politischen Gründe dieser Reform sind nicht das Interesse der folgenden Ausführungen, sondern die geplanten Änderungen, an denen sich dann der Steuerpflichtige erfreuen darf. Aus den Erfahrungen der letzten „großen Steuerreform“ zum 1. Januar 2003 stehen die folgenden Zeilen unter dem Vorbehalt, dass sie politisch sicher bis weit in den Dezember 2006 hinein diskutiert werden. Wie dann letztendlich die politische Willensbildung in ein Gesetz einfließt, wissen wir somit heute noch nicht. Trotzdem sollten Sie über die Gedanken informiert sein, die nach derzeitigem Stand nachhaltig in der Diskussion stehen: 1. Aufgrund eines EUGH-Urteils ist die spanische Regierung im Zugzwang, die Ungleichbehandlung der Besteuerung von Gewinnen bei Immobilienveräusserungen zwischen Residenten und Nichtresidenten zu beheben. Bisher hat ein Resident den entstehenden Gewinn mit 15 % zu versteuern, der Nichtresident unterliegt einer Gewinnversteuerung von 35 %. Es gilt als relativ sicher, dass ab dem 1. Januar 2007 der Residente und der Nichtresidente eine Gewinnversteuerung von 18 % vorzunehmen hat. Ob die derzeit bestehenden Reinvestitions-möglichkeiten, die es bei Residenten gibt, auch auf die Nichtresidenten übertragen werden, wird diskutiert. 2. Die derzeit bestehenden sehr großzügigen Freibeträge für die Gewinne, die bei Immobilienverkäufen entstehen, welche vor dem Jahr 1994 erworben wurden, sollen ersatzlos gestrichen werden. 3. Die Vermögensgesellschaft (sociedades patrimoniales), die erst im Jahr 2003 eingeführt wurde, um die Ungleich-behandlung der Besteuerung zwischen „natürlichen und juristischen Personen“ abzuschaffen, soll ebenfalls ersatzlos gestrichen werden. Man rechtfertigt dies derzeit mit einer stufenweise geplanten Absenkung des Steuersatzes der Körperschaftssteuer bis auf ca. 25 %. Ob es hier Übergangsfristen oder eine Art „Bestandsschutz“ für bestehende Vermögensgesellschaften geben wird, werden wir sehr aufmerksam verfolgen. 4. Weiterhin sind im Bereich der Einkommens- und Körperschafts-steuer erhebliche Erleichterungen und auch Senkungen der Steuersätze geplant, um im europäischen Vergleich entsprechend attraktiver zu werden. Über die Details, die im Wesentlichen bei den Gewinnermittlungs-vorschriften zu finden sind, werden wir sie ebenfalls informiert halten. 5. Wesentlich dürfte weiterhin die Aussage der Politik sein, die Steuergerechtigkeit zu erhöhen. Die Reform wird ebenfalls intensiv dazu genutzt, den Informationsaustausch deutlich zu verbessern um die vermeintliche Steuerhinter-ziehung bei Immobilientransaktionen einzudämmen. Spanische Steuerreform zum 1.1.2007 – Stand nach der letzten Sitzung vor der Sommerpause • Die Steuersätze sollen sich nunmehr nicht mehr pro Jahr um ein Prozent senken, sondern ab dem 1.1.2007 auf 32,5% sowie ab dem 1.1.2008 auf 30%. Derzeit ist der Regelsteuersatz 35%. • Für KMU auf 25 % - 30 %; Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) werden derzeit definiert als Unternehmen mit einem Jahresgewinn bis zu 120.000,00 €. Weiterhin gibt es eine beschleunigte Abschreibung: Die Werte der offiziellen Tabelle werden mit 2 multipliziert. • Von der allgemeinen Steuerlast konnten bisher Aufwendungen für Tätigkeiten in den Bereichen Forschung, Entwicklung und technische Innovation, Förderung der Informations- und Kommunikations-technik, Export-tätigkeiten, Investitionen in Kulturgüter, Film-produktionen, Herausgabe von Büchern, Navigations- und Fahrzeuglokalisierungssysteme, Anpassung von Fahrzeugen für Behinderte und Kindergärten für die Kinder von Mitarbeitern, Umweltschutzinvestitionen, Ausbildungs-ausgaben, Schaffung von Arbeitsplätzen für Behinderte, Reinvestition von außerordentlichen Gewinnen, Beiträge der Unternehmer in die Rentenversicherung von Angestellten sowie in Vorsorgeversicherungen, die als Maßnahme zur sozialen Unternehmensvorsorge dienen oder Beiträge in das geschützte Vermögen von Behinderten abgezogen werden. Reduzierungen sind wie folgt vorgesehen: Geschäftsjahre ab Koeffizient bzgl. der Abzugsmöglichkeiten 1.1.2007 0,8 1.1.2008 0,6 1.1.2009 0,4 1.1.2010 0,2 1.1.2011 0 • Verrechnungspreise: Bisher wurden die Sanktionen im Bereich von „Verrechnungspreisen“ darauf beschränkt, dass die entsprechende Steuer nachzuzahlen war. Es ist ausdrücklich vorgesehen, dass Bußgelder nunmehr festgesetzt werden können. Welche genauen Auswirkungen das auf eine vorbeugende Dokumentation hat, ist derzeit noch nicht absehbar. • Änderung bei der Einkommensteuer, Senkung der Steuersätze: Bemessungs- Steuerquote Bemessungsgrund- Steuersatz grundlage • Als sehr wesentlich ist zu erwähnen, dass bei Kapitaleinkünften ein komplett neuer Teil in die Bemessungsgrundlage aufgenommen wird. Es ist ein fester Steuersatz von 18 % vorgesehen für Einkünfte aus: Dividendos (Dividenden) Intereses (Zinseinkünfte jeglicher Art) Plusvalias (Vermögensgewinne und -verluste, unabhängig von der Haltezeit) Seguros (Einkünfte aus Geschäften mit Versicherungsverträgen) Als generelle Basis bleibt der beschriebene Tarif bestehen für: Resto rendimientos (Überbleibende Jahresleistung) Resto perdidas y Ganancias patriomoniales (Gewinn) Imputaciones (Sonstige Anrechnungen) Wenn das wirklich so verabschiedet werden sollte, wird eine erhebliche Kapitalflucht von Gesellschaften in den persönlichen Bereich erfolgen. Bedenkt man dabei noch die Gestaltungskraft durch „Reits“ oder Darlehen des Gesellschafters an die Gesellschaft (Zinseinkünfte beim Gesellschafter 18 % > Steuerersparnis bei der Gesellschaft auf die Zinsen 30/35 %), wird der spanische Steuerstandort eine erhebliche Attraktivität erlangen. • Die Abschaffung der „Vermögenshaltenden S.L.“ stand nicht nochmals auf der Agenda und dürfte damit als beschlossen gelten. Es sollen aber Übergangsvorschriften erlassen werden, das man in den ersten 90 oder 120 Tagen nach Beendigung des Geschäftsjahres Übertragungen vornehmen kann. In diesem Zusammenhang wird eine steuerneutrale Übertragung diskutiert. • Die Steuerfreiheit für Immobilien, die vor dem 31.12.1996 bereits zehn Jahre im Besitz waren, bleibt insoweit bestehen, das die Zeit, die nach dem Veräußerungszeitpunkt 20. Januar 2006 liegt, anteilig angerechnet wird. Folgendes Beispiel soll die Berechnung erläutern: Kauf am 20. 1.1977 zum Preis von 1.000 €, Verkauf am 20.1.2007 zum Preis von 31.000 €. Das entspricht einer Haltedauer von 30 Jahren. Der Mehrgewinn beträgt 30.000 €, davon sind 29/30 = 29.000 € weiter steuerfrei; auf 1/30 = 1.000 € ist eine Steuer von 18 % = 180 € zu zahlen.
 
Information zum Autor
 
 
 
PHP MySQL database application powerd by Lycos Webhosting
© 2006 (vs)spanien.com operated by VS Spain LLC | 01-Dez-2006 13:40