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Situation für Arbeitnehmer in Spanien
Allgemeine Informationen für die Arbeitssuche
von Hartmut Ihnenfeldt
 
Wer mit dem Gedanken spielt, in Spanien einen Job oder gar eine dauerhafte Arbeit zu suchen, und glaubt, dort müsse es in Anbetracht des hohen Anteils der Deutschen am Tourismus und bei den Residenten doch in vielen Berufssparten reichlich Stellen für Deutsche geben, irrt. Möglichkeiten bestehen im Bereich Gästebetreuung/ Hotellerie/Gastronomie natürlich im Prinzip reichlich, aber darüber hinaus ist das Stellenangebot eher gering. Das liegt u.a. daran, dass deutsche Firmen außerhalb der unmittelbar mit dem Tourismus verbundenen Sparten überwiegend in Bereichen tätig sind, in denen relativ wenige Mitarbeiter benötigt werden. Und die sind meistens bereits da. Spanische Firmen kommen als Arbeitgeber nur in Frage für Leute, die gut Spanisch sprechen und ggf. auch schreiben können. [...] Stellenanzeigen und -gesuche Wer sich die Mühe macht, die Stellenanzeigen in spanischen, deutschsprachigen Zeitungen zu studieren, wird feststellen, dass viele Arbeit suchen, aber nur wenig angeboten wird, was einen halbwegs seriösen Eindruck macht. Daran hat sich über die Jahre wenig geändert. Originaltext einer Anzeige im Mallorca Magazin: Wie Sie aus 25 Euro 1000 monatlich machen können! Wer hier anbeißt, hat wohl schon verloren - ¬mindestens 25 Euro für vermutlich irgendeine wertlose Liste mit Geschäftstipps, die nur gegen Vorkasse herausgerückt wird. Ein Beispiel dafür, wie in Spanien besonders gerne Deutsche versuchen, andere Deutsche über den Tisch zu ziehen. [...] Spanisch unabdingbar Um in Spanien eine Arbeit zu finden reicht es nicht, dass Sie »buenos dias« und »gracias« sagen können. Angaben in Stellengesuchen wie »Grundkenntnisse in Spanisch« oder »Mache gerade einen Spanischkurs« sind als Qualifikationshinweis unzureichend. Viele Bewerber sagen ziemlich unbekümmert: »In Spanien lerne ich schon Spanisch«, was vielleicht richtig ist. Aber selbst die meisten als Arbeitgeber in Frage kommenden deutschen Firmen erwarten von angehenden Mitarbeitern durchweg, dass sie sich auf Spanisch verständigen können ¬und zwar bereits, wenn sie antreten. Darüber hinaus sollten Sie heutzutage im Umgang mit dem Computer und dem Internet versiert sein, wenn Sie einen Bürojob anstreben. Das ist in Spanien nicht anders als in Deutschland. [...] Und ohne Spanisch? Von der Regel, dass eine Stellensuche besser mit Spanischkenntnissen läuft, gibt es eine bescheidene Ausnahme: sie bezieht sich auf Jobs in Restaurants an den bekannten Touristenstränden und Urlaubsorten, die unter deutscher Leitung stehen, nur deutsche Mitarbeiter beschäftigen und im Wesentlichen deutsche Gäste haben. Diese Betriebe benötigen nur in der Saison Arbeitskräfte zum Schleppen von Speisen und Getränken. [...] Arbeit suchen - Arbeit finden Wenn Sie versuchen, Arbeit in Spanien von Deutschland aus zu finden, vergeht mit Anrufen, Bewerben, Vorstellen zu viel Zeit, zumal die Stellen oft schnell besetzt werden. Ausnahmen bestätigen diese Regel, wenn z.B. ein Zahntechniker mit Spezialkenntnissen gesucht wird, den es kaum in Spanien gibt. In solchen Fällen wird auch in Deutschland inseriert. Am besten ist es im allgemeinen, sich ein paar Wochen Zeit zu nehmen, um sich in Spanien in Ruhe umzusehen und dann schnell handeln zu können, sollte sich tatsächlich eine Chance bieten. Immerhin betrug die Arbeitslosenquote während der Hauptsaison in den letzten Jahren beispielsweise auf der Insel Mallorca gerade mal 2,5%-4%. In Deutschland würde man heute angesichts solcher Zahlen bereits von »Vollbeschäftigung« sprechen. [...] Inserate Selbst inserieren bringt erfahrungsgemäß wenig, kann aber nicht schaden, wenn sich der Kostenaufwand in Grenzen hält. Gratisanzeigen kann man in Annoncen-Zeitungen aufgeben, die kostenlos zum Mitnehmen ausliegen. Vielleicht ist auch der »Arbeitsmarkt« in den Tageszeitungen für einen Versuch eine gute Wahl. Dabei sollte man aber nicht den Fehler begehen, sich in seiner Annonce als Alleskönner zu präsentieren [...] Anzeigenblatt Trueque / Mallorca Wenn Sie einigermaßen Spanisch beherrschen und auf Mallorca eine Stelle suchen, dann greifen Sie beispielsweise zur Trueque, dem größten Anzeigenblatt Mallorcas. Darin finden Sie dienstags und freitags jeweils bis zu 200 Arbeitsangebote, nach Sparten geordnet, von »kaufmännisch« über »technisch« bis zu »Kinderbetreuung«. Konkret gesucht werden immer gewerbliche Mitarbeiter/Handwerker, Friseusen, Arzthelferinnen, Masseure, Sekretärinnen. Vor allem der Tourismusbereich braucht Mitarbeiter. [...] Zeitarbeit Als weitere Möglichkeit bieten sich die agencias de trabajo temporal an, deren Adressen Sie in den Gelben Seiten des Telefonbuchs finden. Die Zeitarbeitsfirmen (Adecco, Manpower oder Randstad) achten von sich aus darauf, dass bei den Arbeitsverträgen alles in Übereinstimmung mit den spanischen Gesetzen läuft, so etwa die Anmeldung bei der Sozialversicherung. Beziehen Sie diese Firmen also durchaus auch in Ihre Suche ein. [...] Bezahlung Gute Chancen, etwas zu finden, haben Sie aber nur, wenn sich Ihre Gehaltsansprüche in Grenzen halten. Der finanzielle Rahmen ist deutlich enger als bei uns. Das höchste Gehalt etwa im öffentlichen Dienst bezieht der Ministerpräsident; der der Balearen mit nur rund 5.000 Euro brutto. Ein Bürgermeister verdient ca. 4.000 Euro/Monat. Ein Bauarbeiter kommt ohne Überstunden und Schwarzarbeit auf ca. 1.000 Euro netto monatlich. Fulltime-Bürojobs werden bei mittlerer Qualifikation (Bürokaufmann, Sekretärin etc.) in der Größenordnung 1.000 bis maximal 1.800 Euro brutto entlohnt. Das Durchschnittsnetto-einkommen in Spanien beträgt pro Monat etwa 1.200 Euro, wobei anzumerken ist, dass die Abzüge (Steuer, Sozialversicherung) in Spanien deutlich geringer als in Deutschland sind, die Bruttoeinkommen in Spanien also noch niedriger ausfallen (in Deutschland betrug im Jahr 2005 das durchschnittliche Bruttojahreseinkommen aller Vollzeitbeschäftigten knapp 40.000 bzw. ca. 3.300 Euro/Monat). [...] Arbeitsgesetze In manchen Dingen ist die spanische Arbeitsgesetzgebung arbeitnehmerfreundlicher als in Deutschland, in anderen Bereichen restriktiver. Dafür einige Beispiele: Die maximale Arbeitszeit für Arbeitnehmer beträgt 40 Stunden pro Woche. Dies ist indessen ein Mittelwert, der sich aus der Arbeitsbelastung über das gesamte Jahr ergibt. Die Höchstarbeitszeit pro Tag liegt bei 9 Stunden im Schnitt - mit jeweils mindestens 12 Stunden zusammenhängender Ruhezeit Eine Beschäftigung als Teilzeit-Aushilfe (etwa wie beim deutschen 400-Euro-Job) ist nicht möglich. Überstunden sind auf 80/Jahr limitiert.
 
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